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Geschichte

Vom Bürgergymnasium zur städtischen Realschule

Aus bescheidenen Anfängen beginnend – einem Zeiterfordemis Rechnung tragend – sollten auch die Begabungsreserven des aufstrebenden Bürgertums in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erschlossen werden. Gegen Ende der Dreißiger Jahre hatte die Weimarische Staatsregierung jedem bedeutenderen Orte des Großherzogtums die Errichtung einer Realklasse empfohlen. Nun zählte Eisenach auch damals schon zu den bedeutenderen Orten eines zumindest kulturell bekannten Gro&szligherzogtums. Folgerichtig erging am 10. März 1843 ein Aufruf des Stadtrates der Stadt Eisenach zur Errichtung einer neuen Realschule.

"Um ein längst gewähltes Bedürfniß zu befriedigen, hat der hießige Stadtrath mit Vorwissen und Genehmigung des Großherzoglichen Oberkonsistoriums beschlossen, eine Unterrichtsanstalt einzurichten, welche auch weniger bemittelten Eltern die Möglichkeit gewährt, ihren Kindern beiderlei Geschlechts eine besonders für das gewerbliche Leben berechnete höhere und umfassendere Ausbildung zu verschaffen, die von der Bürgerschule weder zu verlangen noch zu erwarten ist. Gegenstände des Unterrichts sollen bilden Religion, Deutsche Sprache, Übung im schriftlichen Ausdruck mit Rücksicht auf Schön- und Rechtschreibung, im Vorlesen und freien Vortrag, Rechenkunst bis zu den Gleichungen, Geometrie, Berechnung des Kobikinhalts der Körper, die für das praktische Leben wichtigsten Hauptlehren der ebenen Trigonometrie, der Statik und Mechanik, Naturlehre, Naturgeschichte, Geographie, Geschichte, Zeichnen, lateinische Sprache bis zur Kenntniß der Satzbildung und französischen Sprache, letztere beiden Unterrichtsgegenstände jedoch nur für die, welche es wünschen.

Für das weibliche Geschlecht tritt statt der Geometrie und der Zweige der angewandten Mathematik, so wie des Lateins, Unterweisung in weiblichen Arbeiten ein. Diese Gegenstände werden mit einer passenden Verteilung auf 26 bis 30 Stunden die Woche und unter allmähligem Fortschreiten vom Leichteren zum Schwereren vor der Hand in einer Klasse für jedes Geschlecht behandelt werden, wobei aber zweckmäßig scheinende Abänderung nach den Bedürfnissen der Zeit und der zu unterrichtenden Schüler vorbehalten bleiben.

Das Schulgeld ist vorläufig auf 12 Thaler festgestellt. Um nun zu erfahren, auf wieviel Schüler in der so bezeichneten Unterrichtsanstalt ungefähr zu rechnen sein möchte, werden alle Diejenigen, so wohl in hießiger Stadt als in der Umgegend, welche ihre Kinder oder sonstige Angehörige daran Theil nehmen zu lassen gesonnen sind, hierdurch aufgefordert, bis zum 10. April des Jahres bei den Bezirksvorstehern schriftliche oder mündliche Anzeige zu machen, wobei noch bemerkt wird, daß in diese Anstalt auch Kinder, welche noch nicht konfirmirt sind, aufgenommen werden können, wenn sie die nöthige Vorbildung dazu besitzen."

Eisenach, den 10. März 1843
Der Stadtrath;

Am 11. Juli 1843 wurde in frei gewordenen Räumen der ersten Bürgerschule (an der Esplanade) die neue Realschule eröffnet. Von Anfang an für Knaben und Mädchen bestimmt - allerdings getrennt zu unterrichten - fehlte es nicht an Schülern. Die zweiklassige Knabenabteilung hatte bis Ostern 1845 schon über 70 Schüler aufgenommen.

Gleichzeitig suchte der Stadtrat mit großer Gründlichkeit einen tüchtigen Direktor. Er hatte das große Glück, mit Dr. Karl Mager eine der geeignetsten Persönlichkeiten der damaligen Zeit zu finden. Mager hatte sich unter anderem durch zahlreiche pädagogische Schriften, insbesondere auch über die Errichtung eines Bürger- oder Realgymnasiums, einen Namen gemacht. Ostern 1848 trat er seinen Dienst am Eisenacher Realgymnasium an. Schon bald war seine "Handschrift" in Gestalt der Unterrichtstafel aber auch der gesamten inneren Organisation zu spüren. Nachdem die Räumlichkeiten in der ersten Bürgerschule schon lange nicht mehr reichten (die Quarta und Tertia waren in zwei Dachstuben untergebracht), erhielt das Realgymnasium nach den Sommerferien 1850 ihr erstes eigenes Gebäude (damals Goldschmiedengasse Nr. 598). Neben der Dienstwohnung des Direktors enthielt das neue Schulgebäude sechs Klassenzimmer, ein Zimmer für physikalische Apparate, ein Zimmer für das Laboratorium, ein Zimmer für die naturhistorischen Sammlungen, ein Lehrerzimmer, das zugleich Bibliothekszimmer war, und ein Zimmer für den Schuldiener. In seinem Programm von 1852 teilte Mager freudig mit, dass bereits der größte Teil seiner Wünsche erfüllt sei. Die Hauptlehrer der Schule (8) waren fest angestellt, und konnten sich somit mit ganzer Kraft dem Unterricht widmen (unter anderem neben Dr. Mager die Doktoren Koepp, Senft (1.v.l.), Koch (2.v.l.)).

Durch eine fortschreitende Krankheit leider zunehmend ans Bett gefesselt, durfte Dr. Karl Mager "in allen Ehren" zu Ostern 1852 seinen Dienst quittieren. Er starb am 10. Juni 1858 in Wiesbaden. Sein Nachfolger wurde Dr. Gustav A. Koepp, "Lehrer; der mathematischen Wissenschaften" Die verbesserte Situation der Schule war insbesondere der Übernahme wesentlicher Lasten des Schulbetriebs durch die Weimarische Staatsregierung zu Beginn der fünfziger Jahre des 19. Jahrhunderts zu verdanken. Der nicht unproblematische Anfang wurde von der - bis in die heutige Zeit hinein nicht abreißenden - Diskussion über die Gestaltung des Unterrichtsplanes beherrscht. Mehrfache Reformvorhaben im Verlaufe der Schulgeschichte - streitbar oder gar mit der Anmaßung der Unfehlbarkeit vorgetragen - belegen die Reformfreudigkeit. Vom Vorwurf der "Abrichtanstalt für praktische Brauchbarkeit" bald durch entsprechende Erfolge befreit, erfreute sich unsere Schule bis zum heutigen Tage eines ungebrochenen Zuspruchs. Stets zeigte sie sich reformbereit und reformfähig, um neuen Entwicklungen Rechnung zu tragen. Beispielsweise nahmen die alten und die neuen Sprachen seit der Annahme des Lehrplanes der Realschule 1. Ordnung (1862 nach preußischem Vorbild) bis in die heutige Zeit hinein eine angemessene Position neben den Naturwissenschaften ein. Mit der Einweihung des neuen Schulgebäudes in der Schmelzerstraße am 24. Juni 1863 (Geburtstag des Großherzoges Carl Alexander) hatte die Schule nach dem Urteil des Professors Stechele (Beilage zum Jahresbericht 1893) " ... das schönste Schulgebäude im ganzen Großherzogtum bekommen..." (ausgestattet mit Naturalienkabinett, Zeichensaal, Aula, Bibliothek usw.).

Ein Schüler, der in den beginnenden fünfziger Jahren durch besondere Begabung und Fleiß seinen Lehrern auffiel, war der schmächtige Ernst-Abbe.

 

Autor: Gerhard Lorenz, Ehemaliger Direktor des Ernst-Abbe-Gymnasiums

 
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